Werkschau 2014 – A SERIOUS MAN (2009)

Für die die es noch nicht wissen – ich veranstalte dieses Jahr meine erste Werkschau. Das heißt ich werde mir möglichst jeden Film von Ethan und Joel Coen zu Gemüte führen und werde am Ende sehr viel schlauer und glücklicher sein als ich es im Moment noch bin. Die Liste der Filme und den Fortschritt könnt ihr euch jederzeit ansehen – Linke Spalte – RUBRIKEN – Werkschau 2014.

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Ethan und Joel Coen

Auch nach diesem Werk bleibt es dabei: Die Art Filme die sie erschaffen treffen bei mir jedes Mal voll ins Schwarze. Ich bin gespannt ob das so bleibt, oder ob ich auch mal auf ein faules Ei stoße? Die IMDb Durchschnittsbewertung für Coen-Filme liegt bei ca. 7,5 von 10 – unfassbar! Das kann ich nur bedingt verstehen. Ich finde sie erzählen sehr persönlich, direkt und offen. Keine Twists, keine Action, keine Monster – Nur Menschen und ihr verrückter Alltag. Das mag ICH, aber vielleicht nicht jeder. Da fühle ich mich pudelwohl und möchte gar nicht mehr weg aus dieser Welt, den Charakteren nicht mehr von der Seite weichen, weil sie so echt auf mich wirken und auch weil es ihnen meistens nicht gut geht.

A Serious Man

Der Film steht schon seit einer Weile auf der Watchlist. Er wurde gekauft weil es ihn zu einem erstaunlich günstigen Preis zu erwerben gab, beim Elektrofachgeschäft meines Vertrauens. Einer der Gründe warum er so lange Schlange stehen musste um endlich in das Blu-ray Abspielgerät zu gelangen, waren die durchwegs mäßigen bis schlechten Kritiken, die mir zu Augen und Ohren kamen. Tja … ich sollte weniger darauf hören und mehr den Brüdern vertrauen. Denn bisher haben sie es immer geschafft mich in ihren Bann zu ziehen. Ethan und Joel Coens Filme sind definitiv meine Film-Seelen-Verwandten. Das ist die Erkenntnis des erst 4. Films der Werkschau (und des 8. insgesamt gesehenen)

Es geht um

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg), einen jüdischen Physik-Professor. Und es geht um seine Familie, seine Schüler und die Jüdische Gemeinde die scheinbar allesamt nur existieren um ihm das Leben schwer zu machen. Seine Frau will sich scheiden lassen. Ihr neuer Freund möchte auf Teufel komm raus dass Larry ihn mag. Sein Sohn steht kurz vor seiner Bar-Mizwa. Sein Bruder, der bei ihm wohnt verfällt der Spielsucht. Larry ist verzweifelt und sucht Rat bei mehreren Rabbis, doch statt Hilfe bekommt er von denen auch nichts als hirnrissige und sinnfreie Geschichten präsentiert.

Mein Fazit

Auffällig und gleichzeitig sehr ansprechend sind: die wundervolle Atmosphäre, der 60er Jahre Flair, der besondere Zusammenhalt und die Freundlichkeit der jüdischen Gemeinschaft und ihren sympatischen Ecken und Kanten. Auch hier erzeugt der Film bei mir, durch seine typisch coenschen’schen Charaktere, ein wohliges Zuhause-Gefühl. Außerdem ist der Humor wieder exakt auf den Punkt. Die Witze sind perfekt platziert und dosiert. Ein durch und durch besonderer und wunderbarer Film, der alles hat. Inklusive des diesmal sehr offenen Endes, das wohl die meisten nicht mögen werden. Ich bin mal wieder begeistert.

Der Spiegel-Kritiker Andreas Borcholte sagt über den Film: Die Coen-Brüder seien „selten mitleidsloser“ gewesen und verwehrten ihrem Protagonisten die Normalität, nach der er sich sehnt. „Der zornige, alttestamentliche Gott erscheint da noch barmherziger als diese mit kalter Präzision agierenden Regisseure.“ Für Borcholte ist das Werk der „erwachsenste und abgründigste aller Coen-Filme […] So ist es am Ende vielleicht das passive Verharren und seine letztlich nicht von ausgeprägter Eigenverantwortung zeugende Suche nach spiritueller Erlösung, wofür der doch eigentlich so rationale Physiker Gopnik von seinen Schöpfern abgestraft wird: Was dir im Leben am wenigsten hilft, so seine Lektion, ist Gott.“

Die Hauptfigur Larry wird von vielen Kritikern mit der alttestamentlichen Gestalt des Hiob verglichen, den Gott mit schweren Schicksalsschlägen einer Prüfung unterzieht.

Typisch?

Definitiv JA. Außerdem stimme ich Borcholte vollkommen zu. Auch für mich der bisher „erwachsenste und abgründigste aller Coen-Filme“. 

1. Die wahre Geschichte: Sie basiert auf Erinnerungen an ihre eigene Jugend, jedoch ist keine der Figuren autobiografisch. Der persönlichste Film der Brüder.
2. Die Charaktere: Wieder direkt aus dem Leben gegriffen. So echt, dass man nie das Gefühl hat sie würden spielen.
3. Die fabelhafte und immer perfekt eingesetzte, schwarz gefärbte Situationskomik.

4,5

Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2009 (Vereinigte Staaten)
Regisseure: Joel Coen, Ethan Coen
Musik von: Carter Burwell
Nominierungen: Golden Globe 2010: Bester Hauptdarsteller – Komödie/Musical (Michael Stuhlbarg)
Oscar 2010: Bester Film, Bestes Originaldrehbuch
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Länge: 105 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

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10 Gedanken zu “Werkschau 2014 – A SERIOUS MAN (2009)

  1. ich finds spitze, dass du eine Werksschau machst! Dafür hatte ich bisher nicht so wirklich das Durchhaltevermögen und breche meistens ab, wenn ich den ersten Film erwischt habe, der mir nicht so gefiel. Bei den Coen-Brüdern habe ich oftmals den Eindruck, dass mir der Humor und die Erzählweise oftmals etwas zu ausschweifend ist, zum Beispiel bei Gambit. Dann gabs aber wiederum in dem Film eine ca. 20 Minuten lange Szene, in der ich dachte ich bekomme einen Herzstillstand vor Lachen und mir kamen die Tränen, weil das so genial war. Die Filme von denen haben auf jeden Fall einen eigenen Charme –
    a Serious Man möchte ich auf jeden Fall noch gucken.

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    1. Sie sind auf jeden Fall sehr eigen. Also ich würde auch niemals wagen jemandem einen Coen Film zu empfehlen … ausser vielleicht den Lebowski (der könnte am ehesten vielen gefallen). Ich bin gespannt ob ich auch auf einen schlechten stoße. Ladykillers soll ja ganz mies sein. 😉

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      1. Obwohl ich die Story von Ladykillers ganz sympathisch finde. Ist ja auch ein Remake oder? Hatte bis jetzt mindestens dreimal vor den zu schauen und jedes Mal, jedeees Mal kam was dazwischen. Es soll wohl nicht sein.
        Außerdem fällt mir gerade ein, dass ich Quatsch geredet habe, der letzte Coen-Film den ich gesehen habe war Llewyn Davis, hach.
        Was sagst du zu der Fargo-Serie? Trailer wirkt zum Schreien komisch.

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      2. Ja ist ein Remake.

        Ich hatte bisher gar keine zeit um mal in die Serie reinzuschauen. Nicht mal den Trailer habe ich gesehen. Klingt aber gut. Muss ich mir dringend angucken. 🙂

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  2. Klingt gut. Freut mich. Also für mich, da der Film schon seit längerer Zeit in meiner kleinen Coen-Sammlung steht. Was die Qualität ihrer Filme angeht, so mag ich die meisten („Fargo“, „The Big Lebowsky“, „O Brother Where Art Thou“, „Barton Fink“) usw. sehr und konnte selbst dem als schwach angesehenen „Intolerable Cruelty“ etwas abgewinnen. Achja, den tollen „Burn After Reading“ nicht zu vergessen!

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  3. Ich liebe die Coens und ich erkenne auch an, dass A Serious Man ein sehr guter Film ist. Aber, verdammt, hat der Film mich wütend gemacht. Wütend auf Larry, der sich nie wehrt, wütend auf die anderen Charaktere, denen allen irgendwas menschliches fehlt. Und das passiert nicht oft, dass ich Haare raufend vor dem Bildschirm sitze. 😀

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    1. In dem Fall kannst du dich sehr gut in Filme hineinleben. Das ist schön. 🙂

      Ich weiß genau was du meinst, aber das macht den Film eben gerade aus, dass Larry so ist wie er ist, dass er sich allen Menschen um ihn herum unterordnet (die wissen das und nutzen es natürlich aus). Am Ende wird er merken, dass er sein Leben völlig verschwendet hat … so habe ich zumindest das offene Ende interpretiert.

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  4. So was zu lesen lässt mir richtig das Herz aufgehen. Denn ich weiß ja, wie das ist, mit Regisseuren total auf einer Wellenlänge zu sein. Gerade bei einer Werkschau kann man so richtig in ihre Welt eintauchen und besonders gut eine umfassende Verbundenheit fühlen.

    Ich mag das pessimistische, aber auch einfach sehr realistische Weltbild der Coens sehr und in „A Serious Man“ kommt es wahrscheinlich tatsächlich am besten zur Geltung. Sie sind die Regisseure der Loser, wo es im amerikanischen Film viel zu oft nur um Gewinner geht.

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    1. Was für ein wunderbarer Kommentar. Danke dafür!!!

      „Regisseure der Loser“ und untypisch für den amerikanischen Film, trifft es genau. Eine Schöne Erkenntnis wie ich finde. Dass ich die Filme so ansprechend finde wird wahrscheinlich daran liegen, dass ich von Grund auf realistisch bis pessimistisch veranlagt bin und die Gewinner- und Happy End-Filme sowieso immer für unrealistische Märchen halte. Ein offenes Ende oder gar ein tragisches lässt einfach soviel mehr Freiraum zum Nachdenken. Die meisten wollen natürlich den Film ausmachen können mit dem sicheren Gefühl, dass es den Protagonisten am Ende gut geht … glauben dass die Welt doch nicht so grausam ist. Ich stehe da eher auf die Wahrheit und komm damit auch klar. 😉

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