31 Tage – 31 Songs: Tag 3

Welcher Song erinnert dich an etwas trauriges?

Diese Frage beantworte ich nicht gerne, und habe deshalb eine ganze Weile gebraucht diese Hürde zu nehmen. Klingt absurd wenn man bedenkt, dass ich mir diese Aufgabe selbst auferlegt habe. Warum mir das so schwer fällt? Weil sich an etwas trauriges zu erinnern für mich immer heißt sich selbst weh zu tun, und das wiederum heißt dass man solche Erinnerungen lieber gut verschlossen irgendwo in den dunklen Gassen des Gedächtnisses ruhen lassen sollte. Ich bin ganz eindeutig kein bisschen masochistisch veranlagt. Mit der Musik ist es allerdings so ein Ding. Sie kann diese gut versteckten Gefühle und Erinnerungen spontan hervorrufen, ob man will oder nicht. Es ist ein Phänomen, das die Musik zu etwas übermächtigem macht. Die Musik gibt quasi den Ton an. Darum sind Musiker für mich sehr faszinierende Menschen (vor allem die die Musik erschaffen, ein bisschen aber auch die die sie weitergeben können), die großes vollbringen. Aber ich hole schon wieder zu weit aus.

Nun zu meiner traurigen Geschichte …

Es war vor ein paar Jahren. Ich hatte gerade mein Studium beendet und meinen ersten Job als Architektin angenommen. Leider Gottes war die Stellte der Horror und meine Chefin eine böse Hexe, die mich behandelte als wäre ich Aschenputtel. Ich kam mir dauernd dumm und unfähig vor, dabei war sie diejenige die null Kompetenz für diesen Job besaß, und das nur kompensieren konnte, indem sie mich dauernd schlecht machte. Mir läuft es immer noch kalt den Rücken runter, wenn ich an sie denke. Ich muss aber auch dazu sagen … ich bin einer dieser Menschen, denen nichts im Leben geschenkt wird. Das Leben macht es mir immer schwer. Es stellt mir ständig Hürden, die ich zwar so gut wie immer meistere, aber durch die Anstrengung leider auch Stück für Stück meine Kraft und meine Nerven verloren gehen. Ich bekomme immer nur Zitronen vom Leben geschenkt, die Limonade muss ich mir immer selbst machen. … Aber das ist eigentlich nicht wirklich das worum es hier geht, ich musste kurz Dampf ablassen, angesichts dieser Erinnerung und weil heute einer dieser Tage ist …

Es geht um meine Mama und mich, denn wir sind nicht nur Mutter und Tochter, wir sind auch beste Freundinnen und füreinander die besten Therapeutinnen. Glücklicherweise geht es uns in den meisten Fällen nie zusammen schlecht, sodass die eine für die andere da sein kann. Zu der vorhin erwähnten Zeit war leider der Fall eingetreten, dass wir gleichzeitig in einer Lebenskrise steckten. Ich im Hexenkessel und meine Mama weit weg in der Heimat, da wo mein Opa im sterben lag. In dieser Zeitspanne die, ich weiß auch nicht mehr wie viele Tage oder Wochen gedauert hat, hatte ich durchgehend nur ein Album im Auto laufen, und zwar „Slipway Fires“ von „Razorlight“. Wie die Faust aufs Auge passte der Song „The House“ zum Tod meines Opas und zu dem was meine Mama wohl empfunden hatte. Für mich aber war das nicht nur eine Zeit in der ich einen geliebten Menschen verloren hatte, auch meine allgemeine Situation hatte mich schon sehr geschwächt, und zudem war meine Seelenfreundin weit weg und selbst sehr traurig. Darum passte für mich und mein persönliches Empfinden „Wire to wire“ und sein Refrain „Love me, wherever you are“ sehr viel besser. Es wird mich für immer an diese räumliche und emotionale Distanz in dieser sehr traurigen Zeit erinnern. Ich kann den Song leider nicht mehr hören, denn obwohl ich den Song wunderschön finde, bricht er mir jedes mal erneut ein bisschen das Herz, denn es hat noch eine ganze Weile gedauert bis die Trauer damals überwunden war, und das Leben langsam wieder begonnen hatte gut zu werden.

Die Nächste Frage lautet: Welcher Song hilft dir dabei den Kopf frei zu bekommen?

Alle 31 Tage …

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16 Gedanken zu “31 Tage – 31 Songs: Tag 3

  1. Das hört sich wirklich nach einer schwierigen und harten Zeit an 😦
    „The House“ kannte ich gar nicht, „Wire to wire“ hingegen habe ich auch schon immer als sehr intensiven Song empfunden, wenn ich auch keine traurigen Gefühle damit verbinde.
    Ich kenne das aber auch, dass es schwer fällt, bestimmte Lieder zu hören, weil sie unschöne oder sehr emotionale Erinnerungen hervorrufen.

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    1. Ist leider, oder zum Glück so mit der Musik. Ist bei mir auch nur einer von vielen, die intensive Gefühle auslösen. Bin schon auf dein Tag 3 gespannt … Ich fand es wirklich nicht einfach darüber zu schreiben.

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  2. Songs die dich über eine schwere Zeit bringen sind gute Songs. Es ist nur eine Frage der Zeit , bis Du diese Lieder wieder unbeschwert genießen kannst. Du weißt ja , die Zeit heilt alle Wunden, da das Leben ja weiter geht. Aber die zwei Titel könnten ein Teil deines Lebens werden, da sie sich wahrscheinlich unauslöschlich in deiner Erinnerung festgesetzt haben – aber das ist ja nichts schlechtes und so vergisst Du auch deinen Opa nicht !!!

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  3. Ich finde das sehr berührend, dass du das mit uns teilst und ich finde, bei dem eigenen Leben muss man seinen Rucksack an Problemen nicht gegenüber anderen nichtig reden. Ist doch kein Wettbewerb, wer das schwerste Leben hat und deswegen am meisten rumheulen darf. Wenn du so empfindest, wie du empfindest und Musik dir hilft, dass alles herauszulassen, dann ist das gut. Und toll. Wie du. Brauchst du für irgendwas eine Assistentin? Meine beruflichen Erfahrungen bzw. der Kontakt mit den dazugehörigen Menschen im Alltag reihen sich ganz gut neben deiner bösen Hexe ein.

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    1. Danke dir, für die wiedermal sehr treffenden Worte. ❤ Du bist toll!!! Ich hab da schon meine Songs bei denen ich weiß auf welche Knöpfe die drücken, und wenn ich dann mal Bock habe zu heulen, weil sich was angestaut hat, dann hilft Musik da am besten. Danke Musik. Sollte ich mir tatsächlich mal eine Assistentin leisen können, dann kommst sowieso nur du in Frage!!!

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  4. Das klingt nach einer wirklich schwierigen Zeit und es tut mir unheimlich leid, dass du das durchmachen musstest, da ich besonders die räumliche Distanz in solchen Momenten durch eigene Ereignisse gut nachvollziehen kann. Da ist es natürlich auch verständlich, dass es so schwer für dich war, die Frage zu beantworten. Es erfordert unheimlich viel Mut, es trotzdem zu tun und ich finde, es zeigt, dass du ein wirklich starker Mensch bist, der noch so manche Lebenskrise überwinden kann! ❤

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    1. Man ist leider nie vor Krisen sicher. Die kommen immer wieder. Und ich bin jemand, der immer im Vorhinein schon ein bisschen Angst davor hat. Ich trau mich manchmal nicht mir zuzugestehen, dass es mir gut geht, weil ich Angst habe, dass es dadurch vorbei sein könnte, und die nächste Krise schon vor der Tür steht. Aber die Kraft hat bisher immer gereicht. Ich hoffe das bleibt in Zukunft auch so.

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      1. Das kann ich gut nachvollziehen, da geht es mir ganz ähnlich. Aber wenn wir gar keine Angst vor Krisen hätten, würden uns eben jene Krisen vielleicht sogar noch stärker treffen. Also ist die Angst vielleicht gar nicht so schlecht. Du musst natürlich trotzdem die Zeiten genießen, in denen es dir gut geht, und wertschätzen, was du alles hast.

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  5. Sehr traurige Geschichten 😦

    Das mit deiner Chefin kann ich nachfühlen, ich hatte auch einen Chef, der mir täglich sagte „Du kannst ja nix“ und das über 1 1/2 Jahre. Ich war dort 2 1/2 Jahre beschäftigt, ich weis nicht was ihn dann an mir gestört hat. Hatte mich dann beworben, weil ich weg wollte und keiner wollte mich einstellen, da hab ich sogar an das geglaubt, was er sagte 😦 So eine Erfahrung möchte ich nie wieder machen!

    Das mit deinem Opa tut mir leid und ich finde es schön, dass du so eine gute Bindung zu deiner Mutter hast.

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    1. Solche Menschen haben glaube ich sehr viel größere Probleme, als wir es uns vorstellen können. Da lass ich dann gerne Karma die Arbeit erledigen, denn ich glaube nicht dass die so einfach damit davon kommen. Das wäre einfach nicht fair.

      Danke. ❤

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