Foxcatcher (2014, Bennett Miller)

Bevor der Film beginnt wird man darauf aufmerksam gemacht, dass sich bei der Geschichte um eine wahre Begebenheit handelt. Dann geht es los, mit einer Eröffnungsszene die es sofort schafft, mir das Gefühl zu vermitteln, einen Film sehen zu dürfen, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Ich sehe mir Channing Tatum als Mark Schultz an, wie er wortlos seiner täglichen Routine nachgeht. Training, Essen, Schlafen. Schnell wird klar, mehr gibt es in seinem Leben nicht. Einzig sein Bruder, der auch Ringer ist und sein Trainer, sorgt für einen zwischenmenschlichen Aspekt in seinem ansonsten lieblosen Alltag. Im Gegensatz zu Mark steht bei seinen Bruder Dave das Ringen nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er stellt seine Familie an allererste Stelle. Dann tritt John du Pont in die Leben der beiden Brüder und verspricht Ruhm und Berge an Geld.  

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Diese drei Männer haben mich mit ihrem unfassbar authentischen Schauspiel so sehr in ihre Welt hineingezogen, dass der Film der an sich sehr langsam erzählt wird, und stolze 129 Minuten Läge vorzuweisen hat, gefühlt nur eine halbe Stunde gedauert hat.

Jeder einzelne der 3 Schauspieler verdient großes Lob und hat sich auch noch ein bisschen mehr meiner zukünftigen Aufmerksamkeit verdient. Steve Carell habe ich schon in vielen Rollen gerne gesehen, auch schon in ernsten. Den „komischen Kauz“, den kann er gut. An sein neues Gesicht musste man sich zwar erst gewöhnen, hat aber sehr zur Glaubwürdigkeit beigetragen. Ich bin gespannt ob das die Rolle seines Lebens war, oder nur der Anfang von etwas Großem. Mark Ruffalo hat es durch sein Schauspiel schon geschafft, dass ich ihn liebe und hasse. Diese Rolle reiht sich in eine Vielzahl großartiger Auftritte ein. Bei seiner immer gelungenen und vielseitigen Rollenauswahl, mache ich mir keine Sorgen, dass da so schnell ein Fehltritt kommt. Und Channing Tatum, der als Sunnyboy, Tänzer und Frauenmagnet seine Karriere gestartet hat … wer hätte da gedacht, dass er mal so weit kommen würde. Das gibt mir persönlich die Hoffnung, dass es in Hollywood doch nicht nur um Schönheit und Jugend geht, sondern hin und wieder auch um echte Filmkunst. Dass Schauspieler nicht nur schön zu sein brauchen, sondern sich um Erfolg zu haben, auch mal ein bisschen anstrengen müssen.

Foxcatcher ist in jeder Hinsicht ein sehr gelungener Film. Eine der wunderbarsten Symbiosen zwischen Cast, Geschichte, Erzählstil und Tempo. Was soll ich sagen. Ich kann ihn guten Gewissens jedem weiterempfehlen, der einen wirklich guten „Charakterfilm“ mit bleibendem Eindruck sehen möchte.

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6 Gedanken zu “Foxcatcher (2014, Bennett Miller)

  1. Ja, der ist wirklich sehr gut!
    Fandest du ihn auch so enorm unangenehm zu schauen?
    Ich ja. Da schwingt ein kaum erträgliches Maß an Trauma und dem gefühl nie gut genug sein zu können in Carrell’s Figur mit.

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    1. Enorm würde ich nicht sagen, aber ein eindeutiges Unbehagen ist nicht zu bestreiten. Carrell’s Figur stand für so vieles was in der Welt schief läuft. Es war schon ziemlich grauenhaft ihm zuzusehen …

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  2. Das war ein interessanter Film. Für mich etwas zu langatmig und wirr, aber mit einem sehr eindrucksvollem Ende. Steve Carell war wie immer großartig. In „Big Short“ hat er auch eine gute Rolle.

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    1. Dass man ihn als langatmig empfindet habe ich schon öfter gehört. War bei mir gar nicht der Fall. Big Short habe ich im Kino leider verpasst. Ich freue mich aber schon sehr darauf.

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  3. Ich hab den Film im Kino gesehen und fand ihn auch etwas langatmig. Nichts desto trotz ist mir vor allem Steve Carrel in Erinnerung geblieben, weil ich ihn so unheimlich fand. Das hat er wirklich beeindruckend gespielt. Mich hat es noch doppelt beeindruckt, weil ich ihn tatsächlich bisher nur aus den lustigen Rollen kannte. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Foxcatcher einen gewissen Wendepunkt in seiner Karriere darstellt. The Big Short (auch noch nicht gesehen) war zwar nicht ganz so düster, aber so vom Eindruck her doch auch wieder eine eher ernste Rolle.
    Channing Tatum mag ich ja eh. Er ist sicher nicht der beste Schauspieler seiner Generation, aber ich denke er wird trotzdem etwas unterschätzt und aufgrund seiner Rollenauswahl belächelt. Vielleicht kann er sich da ja mal mit Matthew McConaughey unterhalten… 😉
    Und Mark Ruffalo hat mich zuletzt auch in „Spotlight“ total umgehauen, den mag ich auch sehr gerne.

    So, was ich eigentlich nur sagen wollte: Schöne Rezension, ich hab ungefähr die gleiche Meinung 🙂

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