Dead Man (1995, Jim Jarmusch)

Das erste was mir auffällt: Eigentlich spielt Johnny Depp immer diesen weltfremden Sonderling. In Dead Man spielt er den ebenfalls, nur diesmal ohne Farbe. Trotzdem stelle ich mir seinen karierten Anzug bunt vor. Weiters fällt mir auf, dass ein Film der Kunst ist und Western zugleich noch ein ganzes Stück mehr Ruhe ausstrahlt, als wenn er nur eines dieser Genres bedienen würde. Nicht dass ich filmische Ruhe nicht mag, im Gegenteil, aber hier ist es eine fast schläfrige Ruhe, ein wenig zu monoton, ohne Höhen und Tiefen, ohne Spannung, ohne große Geschichte. Nur ein weltfremder Sonderling der sich zur falschen Zeit am falschen Ort findet, und so zum Ziel der Kopfgeldjäger wird. Vorhersehbarerweise wird er dann tatsächlich auch noch von einem Indianer unter die Fittiche genommen, schließlich wird er vom weißen Mann gejagt, und ist somit auf der Seite der Indianer. Dieser Indianer lockert die schleppende Handlung mit dem einen oder anderen Schwank aus seinem Leben, und vielen für den weißen Mann sinnfreien Indianerweisheiten, ein wenig auf, doch auch das ändert nichts daran, dass ich den Film nur mit großer Mühe zu Ende gesehen habe.

Und trotzdem mag ich ihn. Verrückt.

Ich mag es, dass er Schwarzweiß ist. Schwarzweiß Filme sind um einiges stimmungsvoller, weil sie schmuckloser sind und somit auf das wesentlich reduziert. Das beruhigt mich, fördert meine Konzentration und Aufmerksamkeit. Ich mag es, dass er ein Western ist. Ich mag, oh ich mag Iggy Pop in Frauenkleidern so sehr, und Billy Bob Thorntons kurzen Auftritt als Big George Drakoulious. Und ich liebe diese Szene mit Crispin Glover als Train Fireman und diese verrückten Zeilen die er an den Fremdling im karierten Anzug weitergibt. Eine fantastische Szene.

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Ja, ich mag so einiges an diesem Film. Ich mag zum Beispiel auch die Szene bei der man vermutet dass Cole Wilson aka Lance Henriksen ein Österreicher ist, es aber nie erfährt. Ich mag die Papierrosen und die Geschichte warum der Indianer „Nobody“ heißt. Es gibt eigentlich nichts konkretes was ich an Dead Man nicht mag, und trotzdem hat mich die Sichtung so angestrengt, wie selten bisher.

Wenn jemand von mir wissen wollen würde ob er den Film sehen soll, würde ich definitiv ja sagen, aber wenn man mich fragt was ich davon halte, würde ich darauf nicht antworten können. Ich habe es zwar tatsächlich geschafft ein paar abstruse, unzusammenhängende Worte darüber zu digitalem Papier zu bringen, aber eine handfeste Aussage sieht anders aus.

Ich sag ja, verrücktes Stück Kunstkino.

Er wird mir definitiv lange im Gedächtnis bleiben, er wird es müssen, denn ich werde ihn mir ganz bestimmt nicht nochmal ansehen. Oder vielleicht doch? Ich glaube, ich muss sogar. Ich bin verwirrt.

Erzählt ihr doch mal … Was ging euch durch den Kopf, als ihr euch diesen irgendwie witzigen aber sehr langatmigen Kunst-Western angesehen habt?

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17 Gedanken zu “Dead Man (1995, Jim Jarmusch)

  1. Ich habe den Film vor einigen Jahren gesehen und weiß nur noch, dass ich mich über die gesamte Dauer gelangweilt hab. 😦
    Vielleicht sollte ich ihm jetzt (älter und reifer 😉 ) noch mal eine Chance geben…

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    1. Manche Filme muss man tatsächlich mit einer gewissen Reife sehen, um sie gut zu finden. Ich habe da auch ein paar gute Filme auf der Wiedersehens-Liste, die ich als Jugendliche total schlimm fand, denen ich jetzt noch eine Chance geben möchte.

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  2. Gebe dir in allem recht. Das ist wirklich ein ganz eigenartiger und seltener Fall. Man guckt den Film und irgendwie dümpelt alles so dahin. Es passiert nichts aufregendes. Nichts interessantes. Man döst so dahin, während die Bilder vor einem weiter laufen. Und hinterher denkt man nur:“ Ja, das hat mir gefallen. Aber ich habe keine Ahnung warum.“

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  3. Ist das jetzt eigentlich schlecht, wenn ich sage, das ich mich an den Film irgendwie so gar nicht mehr erinnern kann? Aber immerhin hab ich ihn in meiner Watchlist. Also wollte ich ihn (wahrscheinlich im Zuge einer Jim Jarmusch Retrospektive) mal wieder schauen… Irgendwann… 🙂

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    1. Nö. Der Film ein einfach so ein eigenartiges Ding und wirkt wohl auch jeden komplett anders. Wer weiß, vl. kann ich mich in ein paar Jahren auch nicht mehr daran erinnern. 😉

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  4. Jim Jarmusch ist aber auch einfach der Meister des Dümpelns. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der Langsamkeit so gekonnt auf Film bannen kann, ohne einen dabei zu langweilen. Ich weiß nicht mehr so genau, wie ich damals wirklich auf „Dead Man“ reagiert habe (dazu müsste ich vielleicht noch einmal meine eigene Kritik lesen, was ich gleich mal tun werde), aber irgendwie hat mich der Film schon sehr fasziniert…

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  5. Das ist glaube ich der Film, für den der schöne Begriff „Anti-Western“ geprägt wurde. Ich kann mich erinnern, dass es mir beim ersten Ansehen ähnlich ging wie Dir. Ich fand ihn wahnsinnig anstrengend, konnte aber nicht mal genau sagen warum. Jarmuschs träumerische Regie zusammen mit Neil Youngs elegischem Soundtrack wirken definitiv bei der zweiten Sichtung weit beser als bei der ersten. Roger Ebert mochte den Film gar nicht und fasste ihn zusammen als „Jarmusch möchte etwas sagen, weiß aber nicht genau was“, dem würde ich nicht mal vollumfänglich widersprechen, ziehe aber weniger negative Konsequenzen draus. Würde ich ihn empfehlen? Jein ;). Und wenn dann mehr als einmal.

    Wer Johnny-Depp-in-schwarz-weiß-aber-unterhaltsam möchte, dem sei ‚Ed Wood‘ ans Herz gelegt.

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