Ist Black Mirror wirklich so gut, wie alle sagen? (Staffel 1 und 2)

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Black Mirror fühlt sich wie ein kleines Phänomen an. Denn dass eine Serie bei so vielen unterschiedlichen Menschen gleichermaßen gut ankommt, kommt nicht oft vor.

Woran liegt es?

  1. In ersten Linie daran, dass es eine Anthologie-Serie ist, was heiß dass die die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass für jeden etwas dabei ist. Jede Folge bietet andere Darsteller, es ist jedes mal eine ganz neue Geschichte. Das einzige was die einzelnen Folgen miteinander verbindet ist die grob umrissene Thematik des schwarzen Bildschirms aka „Black Mirror“.
  2. Alle Geschichten spielen auf ein sehr aktuelles Thema an, das vielen von uns jetzt schon sorgen bereitet: „Wohin führt uns dieser technische Fortschritt eigentlich?“.
  3. Jede Geschichte ist auf ihre Art besonders und bringt den Denkapparat ins Schwitzen.
  4. Die Umsetzung der Geschichten ist unheimlich gut, intelligent und zum Teil sehr provokant (man merkt, dass die Serie nicht aus Hollywood stammt). Es regt etwas im Zuschauer an, das ihn nicht kalt lässt.

Mich erinnert die Serie stark an „Twiligt Zone“, eine der besten Serien aller Zeiten. Wie „Twilight Zone“ ist Black Mirror ein Anthologie Konzept mit fantastischen Geschichten, nur dass BM nicht von anderen Dimensionen handelt, sondern von erschreckend realer und zum Teil sehr zeitnaher Zukunft der Menschheit. Diese Geschichten, die total verrückt und zum Teil sehr beängstigend wirken sind nicht wie bei Twilight Zone völlig weit hergeholt, nein sie sind die logische Weiterführung der Welt in der wir heute schon leben. Und genau das ist es, was mich an der Serie so fasziniert.

Die Folgen

Da diese wunderbare und außergewöhnliche Serie pro Staffel (leider) aus nur 3 Folgen besteht, gehe ich auf jede einzelne ein wenig ein, und erzähle euch was ich daraus gelernt habe. Richtige Inhaltsangaben mache ich keine, das kann Wikipedia besser.

1

Episode 1 – The National Anthem

Es gibt eine Folge, die hat mir eine schlaflose Nacht bereitet, und geht mir auch heute noch nicht aus dem Kopf, und das ist diese allererste Folge. Wenn man den Einfluß einer Serienfolge auf die eigene Psyche als Maßstab dafür nehmen würde wie gut sie ist, dann ist das die mit Abstand beste bisher. Hier geht es um den Einfluß der Medien, insbesondere die unkontrollierbare Verbreitung von Videos im Internet. Es wird unheimlich deutlich demonstriert wie groß diese Macht ist, und wie sehr wir sie zu unterschätzen scheinen. Ich habe 44 Minuten lang den Atem angehalten, um ja nichts zu verpassen. Als es dann am Ende tatsächlich zu dem kam, wovon ich gehofft hatte dass es vermieden werden wird (sehr offensichtlich bin ich stark von Hollywood, deren strenger Moral und dem ständigen Happy Ending, beeinflußt), war ich ehrlich fertig mit dem Nerven. Diese Folge hat mich sehr mitgenommen, was zu Folge hat dass ich bei gewissen Assoziationen immer noch sehr oft daran denken muss.

Meine Lektion daraus: Ich verspüre jetzt Angst bei dem Gedanken, welche Macht diese virale Welt, den falschen Menschen verleihen kann!

Episode 2 – 15 Million Merits

Mein Favorit bisher. Eine Dystopie in ferner Zukunft. Die Menschen leben in einer Welt in der sie zur Gänze und ständig von Bildschirmen umgeben sind. Alles ist künstlich, der Körper nur noch zu einem Zweck da, Unmengen von Energie zu erzeugen. Der Mensch selbst ist mehr denn je das sadistische unbedeutende Wesen, das sich am Leid der Anderen ergötzt und von den Medien beeinflussen lässt.

Meine Lektion daraus: Ich habe hier so viel gelernt, dass ich es gar nicht in einem Absatz zusammenfassen kann. Diese Folge fand ich, so absurd sie auf den ersten Blick wirkt, sehr nachvollziehbar. Das Leben verlagert sich schließlich immer mehr vom „Real Life“ (dass das Ding einen Namen hat, sagt schon sehr viel aus) in die virtuelle Welt. Wir wollen es aber auch nicht anders, und lassen uns gerne von den Medien leiten und beeinflussen. Irgendwann werden wir bestimmt zu diesen körperlosen Zombies. Aber dann gibt es kein Zurück mehr. 

Episode 3 – The Entire History of You

Ein Implantat ermöglicht es Erinnerungen abzuspeichern und sie jeder Zeit abzuspielen. Es ist sogar möglich sie auf den Bildschirm zu spielen und sie anderen zu zeigen. Eine Weiterführung des Smartphones, mit dem wir eh schon ständig den anderen vor dem Gesicht herumwedeln, um ihnen die eingefangenen Bruchteile unserer Erinnerung auf die Nase zu binden. Jemanden beim Fremdgehen zu erwischen ist nur ein kleines Beispiel, das hier dargestellt wird, aus einem Meer der Möglichkeiten, welche so ein Chip bieten würde.

Meine Lektion daraus: Ich halte das für eine sehr gefährliche Sache, und wäre wohl jemand, der darauf verzichten würde, auch wenn ich mich damit ins Abseits schieße. Aber in so eine Gesellschaft möchte ich mich auch gar nicht integrieren. Ich finde dass wir jetzt schon, mehr durch die Kameralinse „erleben“ als gut für uns ist. 

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Episode 1 – Be Right Back

Stellt euch mal vor, ihr könntet einen Menschen den ihr verloren habt, dank seines Internet-Figerabdrucks, quasi wiederherstellen. Für mich ein absolut furchterregender Gedanke. Aber würde ich es in einem Moment der Schwäche und großer Sehnsucht trotzdem tun? Ich weiß es nicht.

Meine Lektion daraus: Dass sowas nach hinten losgeht ist glasklar, aber man trifft nicht immer die vernünftigsten Entscheidungen, wenn die Seele leidet. Deswegen hoffe ich, dass ich nie in die Situation komme, so eine Entscheidung überhaupt treffen zu können. 

Episode 2 – White Bear

Die bisher abgedrehteste Folge der Serie. Ich bin ja Fan von Medialen Zukunftsvisionen, in denen sich die Macher neue Bestrafungsmethoden für Schwerverbrecher ausdenken. Die hier ist wirklich grausam.

Meine Lektion daraus: Würden die Bestrafungsmethoden in Zukunft wirklich in so eine Richtung tendieren, würden es sich die Menschen bestimmt zweimal überlegen, ob sie ein Verbrechen begehen. Da mein Sinn für Gerechtigkeit sehr ausgeprägt ist, finde ich jeder sollte seine gerechte Strafe bekommen, und zwar immer dem Verbrechen entsprechend.   

Episode 3 – The Waldo Moment

Die Folge mochte ich am wenigsten, und habe auch die wenigsten Schlüsse für mich daraus ziehen können. Ein animierter Cartoon-Bär nimmt am Wahlkampf um die Mitgliedschaft im Parlament teil. Dass er in der eh schon völlig verblödeten Welt Wähler bekommt ist klar. Die zweite Aussage der Folge – Es ist leicht sich hinter einer virtuellen Figur zu verstecken, und die Klappe aufzureißen – ist auch keine Überraschung und regt nur bedingt zum Nachdenken an.

Meine Lektion daraus: Sobald man Macht besitzt, und in der Öffentlichkeit steht, hat man eine Rolle zu spielen. Wenn man sich dann weigert, landet man ganz schnell ganz weit unten, denn jeder Mensch ist ersetzbar. Eine furchtbar traurige Tatsache. 

fazit

Insgesamt fand ich die erste Staffel ein kleines Stückchen stärker, weil sie mich mehr zu überraschen wusste. Ich habe ein Stück mehr mitgefiebert, habe mehr den Atem anhalten müssen, wurde deutlich mehr zum Nachdenken gezwungen. Die Inhalte die in der zweiten Staffel angesprochen wurden, waren wie soll ich sagen, wenig überraschend, mehr alltäglich, weil sie sich mit menschlichen Sehnsüchten nach: dem Verlorenen, Rache oder Macht beschäftigten. Das sind Themen die immer irgendwo im Hinterkopf herumwuseln. Staffel 1 hat mich mehr angesprochen, weil das was sie zur Diskussion bringt über das gewöhnliche Denken und die alltäglichen Sehnsüchte und Ängste hinaus geht. Denn sie macht Angst vor der medialen und viralen Zukunft, warnt uns davor Avatare in unseren eigenen Leben zu werden und zeigt uns, dass neueste Technologie und ihre verführerischen  Möglichkeiten das Leben nicht unbedingt lebenswerter machen.

Ich bin gespannt wie es weitergeht. Es wartet noch das Weihnachtsspecial und Staffel 3 auf mich. Juhu! 

 

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14 Gedanken zu “Ist Black Mirror wirklich so gut, wie alle sagen? (Staffel 1 und 2)

  1. Die habe ich bisher auch noch nicht angesehen. Wird wohl doch so langsam mal Zeit dafür, wenn ich denn Zeit dafür hätte. Hachja, immer dieses Real Life. (Ist wirklich irgendwie beängstigend, das es dafür eines eigenen Wortes bedarf.)

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  2. Für mich war am schlimmsten „White Bear“, weil man da als Moraliker vollkommen im Dilemma ist. Ansonsten natürlich die Folge mit Domhnall, wa. Danach erstmal Facebook gelöscht und alle Personen, die Kontakt zu mir abgebrochen hatten, aber noch stalkbar waren, aus Selbstschutz blockiert.

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