Buch vs. Film – Gone Girl

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Vorwort

Ich wünsche mir schon lange eine Buchverfilmung die von der Vorlage abweicht, dem Film zuliebe. Oft will das Buch etwas bestimmtes ausdrücken, das sich filmtechnisch nicht unbedingt gut umsetzen lässt. Die meisten Filmemacher versuchen leider auf Biegen und Brechen, und vermutlich auch aus Rücksicht auf den/die SchriftstellerIn, eine exakte Kopie des Buches auf die Leinwand zu projizieren. In Hinsicht auf die große Weltliteratur, vor allem damit die Kinder in der Schule die dicken Wälzer nicht lesen müssen, eine gute Sache. Wenn es allerdings um zeitgenössische Lektüre geht wünschte ich, die Regisseure würden sich mehr trauen und das Buch so umsetzen, dass daraus ein guter, und vor allem eigenständiger Film wird, der zwar aus der Vorlage schöpft, sie aber nicht zwangsläufig exakt wiedergibt. David Fincher hat sich an Gillian Flynns „Gone Girl“ herangetraut und hat daraus einen Film erschaffen der ihm als Filmemacher gerecht wird. Er hat die Vorlage nicht verschmäht, hat aber eine Verfilmung realisiert die eigenen Charakter besitzt und für sich stehen kann.

 Das Buch (als Hörbuch)

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Inhalt: „Was denkst du gerade, Amy?” Diese Frage habe ich ihr oft während unserer Ehe gestellt. Ich glaube, das fragt man sich immer wieder: Was denkst du? Wer bist du? Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, den man liebt? Genau diese Fragen stellt sich Nick Dunne am Morgen seines fünften Hochzeitstages, dem Morgen, an dem seine Frau Amy spurlos verschwindet. Die Polizei verdächtigt sogleich Nick. Amys Freunde berichten, dass sie Angst vor ihm hatte. Er schwört, dass das nicht wahr ist. Dann erhält er sonderbare Anrufe. Was geschah mit Nicks wunderbarer Frau Amy? Selten wurde so raffiniert, abgründig und brillant manipuliert wie in diesem Psychogramm einer Ehe – ein teuflisch gutes Lesevergnügen. (Quelle: lovelybooks.de)

Was ich denke: Es hat mich mit großer Freude erfüllt einige Wochen mit diesem Hörbuch verbringen zu dürfen. Ich habe mich jeden morgen darauf gefreut mehr zu erfahren, und bin somit noch viel lieber zur Arbeit gefahren. Nicht jedes Hörbuch ist gut, denn die auserwählten Vorleser sind für die Rollen die sie sprechen nicht immer geeignet. In diesem Fall fand ich Christiane Paul und Matthias Koeberlin als Amy und Nick perfekt „besetzt“. Die Geschichte die die beiden mir erzählt haben war spannend, atmosphärisch und absolut durchdacht. Das einzige was der erzählten Geschichte ein bisschen die Luft rausnimmt ist die Tatsache, dass der Twist schon in der Mitte der Erzählung stattfindet, was den Twist an sich allerdings nicht weniger attraktiv macht. Somit war die 2te Romanhälfte nicht mehr ganz so packend wie die erste. Die Handlung blieb aber trotzdem im Fluss und hat mich weiterhin gefesselt, nur eben nicht so wie am Anfang. Davon abgesehen war ich von der Idee sehr entzückt und positiv überrascht.

Der Film

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Ich liebe ja Finchers Filme, allen voran „Sieben“, „Fight Club“ und „The Social Network„. Umso neugieriger war ich auf seine Interpretation von „Gone Girl“. Ich war gespannt wie sich diese eigenwillige Geschichte auf Finchers Art anfühlen wird. Ich habe mir keine Vorstellungen gemacht, keine Ansprüche gestellt, habe die Verfilmung einfach nur auf mich zukommen lassen. Auch seine erneute Zusammenarbeit mit Trent Reznor und Atticus Ross war wie bei „The Social Network“ (da habe ich ein bisschen mehr darüber geschrieben) eine sehr gute Entscheidung. Einen atmosphärischeren und eindringlicheren Score könnte ich mir, für diesem Film, gar nicht vorstellen. 

Erst wenn man beides kennt fällt auf, dass uns Gillian Flynn mit ihrer Vorlage zwar einen Thriller bietet, sie aber das Hauptaugenmerk nicht auf die Kriminalgeschichte, sondern auf die etwas bizarre Beziehung der beiden Protagonisten legt. Fincher hingegen hat sich dafür entschieden einen reinen Thriller daraus zu machen, der einfach nur handelt, und sich nicht zu sehr mit Zwischenmenschlichem aufhält. Funktioniert als Film, meiner Meinung nach, sehr gut. Wäre das Buch wie der Film, hätte es mich niemals so in den Bann gezogen. Für das Buch war es wichtig diese Beziehung zwischen Nick und Amy zu verstehen, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu kennen. Der Film kann ganz gut ohne leben, denn hier fehlt eindeutig die Zeit auch noch diese „Liebesgeschichte“ zu erzählen. Einzig der Schluss lässt leider einen  Konflikt entstehen. Fincher hat zwar offensichtlich alles getan was in seiner Macht steht, und das Ende recht offen gelassen, wirklich nachvollziehen kann man den Ausgang aber nur wenn man das Verhältnis der beiden Protagonisten wirklich gut kennt.

Kein entweder oder heißt hier glücklicherweise das Gesamtfazit. In diesem Fall lohnt es sich beides zu kennen. Buch und Film stehen stützenlos für sich, und funktionieren ganz wunderbar auf die jeweilige Weise. So mag ich das. 

Kleiner Tipp am Rande: Ich habe beim Hörbuch die letzten paar “Seiten” weggelassen, mir dann den Film angesehen um anschließend das Hörbuch fertigzuhören. Das hat den Film für mich etwas spannender gemacht, da mir zwar die Handlung bekannt war, ich aber nicht wusste was für ein Ende das Ganze nehmen wird.

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18 Gedanken zu “Buch vs. Film – Gone Girl

    1. Ich bin mal gespannt wie du den Film findest. Ich würde gerne wissen, wie ich ihn gefunden hätte, hätte ich die Vorlage nicht gekannt. Ich finde die Vorlage zu kennen, nimmt dem Film schon immer etwas an Spannung …

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  1. Interessant, ich habe mir nämlich bei dem Film gewünscht, dass David Fincher viel weiter von der Vorlage abgewichen wäre, gerade bei der Erzählstruktur. So fand ich „Gone Girl“ handwerklich perfekt, aber mir fehlte das Dreckige und Abgründige. Die Probleme im zweiten Teil sehe ich wie Du, aber auch hier glaube ich, er hätte sie mit einer anderen Erzählweise vermeiden können.

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    1. Hätte mich auch überhaupt nicht gestört, wenn er erzählerisch mehr abgewichen wäre. Ich bin nur froh, dass er es überhaupt getan hat, und sich zumindest an die Aussage der Vorlage nicht gehalten hat … dem Film zuliebe. Deine Verbesserungsvorschläge finde ich großartig. Hätte der Verfilmung definitiv noch ein paar Pluspunkte eingebracht.

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  2. Ich hatte im Vorfeld sehr viel davon gehört/gelesen, dass die Vorlage von einigen als misogyn befunden wurde. Ich persönlich habe nach dem Film (den ich beim zweiten Schauen sogar mehr mochte) so meine Vermutung, was mich beim Buch stören könnte, hatte aber jetzt beim Schauen nicht das Gefühl. Wie siehts bei dir aus?

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    1. Ich sags mal so. Man kann es schon was misogynes rauslesen wenn man unbedingt will. Ich fand allerdings nichts störendes daran … ich denke aber auch dass wenn das Gefühl entstehen könnte, es bestimmt nicht so gemeint ist.

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      1. Mein Problem war diese eine Passage in der Rosamund Pike (Name ihrer Figur ist mir gerade entfallen) sich quasi rechtfertigt bzw. das Frausein so mitleidssuchend darstellt. So nach dem Motto: Du Mann weißt nicht wie hart es ist, sich hübsch zu machen, auf das Gewicht zu achten und dabei noch der coole Kumpeltyp, der spielend und saufend neben dir sitzt zu sein. Was einfach ein Frauenbild ist, welches meiner Realität nicht entspricht und einfach dumm ist. Und eigentlich ist die Rolle von Rosamund Pike auch viel zu intelligent und psychopathisch um das als Argument für irgendwas zu verwenden.

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      2. Im Buch ist es so, dass sie diesen Typ Frau (den hübschen coolen Kumpeltyp – sie nennt sie da CoolGirl) jahrelang für Nick spielt, sowie sie ihr Lebenlang immer nur Rollen spielt und nie ihr wahres ich zeigt. Das kommt im Film leider gar nicht rüber … aber wie gesagt hätte Fincher sich auch noch auf die genauere Charakterisierung des Paares eingelassen, hätte er einen 3 Teiler machen müssen … und darum ist das Buch sehr lesenswert.

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      3. Ja, aber das ist doch kacke. Weil das so „Ich arme Frau muss für dich eine gewisse Rolle erfüllen und möchte dafür jetzt bemitleidet werden, obwohl ich ja eigentlich eine Wahl habe.“ ist. Und das empfinde ich wieder degradierend. Verstehst du was ich meine?

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      4. Ja ich verstehe was du meinst. Nur hatte ich (beim Buch) nicht das Gefühl sie hätte dafür Mitleid erwartet. Es gefiel ihr in die Rolle zu schlüpfen … einfach nur weil sie es kann und weil es so einfach ist, natürlich auch ein bisschen weil sie das Gefühl hatte, er würde sie sonst nicht mögen. Aber alles in allem kommt sie schon sehr stark rüber, weil sie ihn dafür dass er nicht weiss wie echte Frauen ticken bedauert und nicht sich selbst dafür dass sie es nicht sein darf. Denn sie selbst zu sein kann sie eh nicht mehr, weil sie ihr Leben lang immer nur Rollen gespielt hat. Auch für ihre Eltern und ihre anderen Freunde. Kann sein dass Fincher das anders verstanden hat … schliesslich ist er auch nur ein Mann. 😉

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  3. Ich mochte Film und Buch. Klar, was Zeilenkino anspricht, fehlt: Das Dreckige. Fincher hat diese Karte in „Girl with a Dragon Tattoo“ schön ausgespielt. Und trotzdem mochte ich den Film sehr gern, der unglaublich gut gemacht ist. Läuft runter wie ein Uhrwerk, ohne nur eine Sekunde zu langweilen. Und beim Buch: Puh, so manche Zeile hinterließ bei mir ein betretendes Innehalten – kam mir allzu real vor. 😉

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    1. „Girl with a Dragon Tattoo” ist immer noch er einzige große Fincher Film den ich nicht kenne, und er steht sogar schon seit Jahren ungesehen im Regal. Ich muss da echt mal ran.

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  4. 😀 Ich habe „Gone Girl“ zwar schon vor Ewigkeiten im Kino gesehen, schaffe es aber nach wie vor nicht, meine Kritik ordentlich zu Ende zu bekommen. Ich habe mit diesem Film auf jeden Fall das erste Mal erlebt, dass mir ein Film sehr, sehr viel besser als das Buch gefallen hat. Im Gegensatz zu dir habe ich die letzten Seiten nicht weggelassen, sondern halt alles gleich gelesen… und irgendwie hat mich diese Wendung in der Mitte a) sehr irritiert und b) auch sehr verärgert, weil es mir dann doch irgendwie zu konstruiert wirkte.

    Mit dieser Prämisse wollte ich irgendwie gar nicht erst ins Kino gehen, habe es dann aber doch getan und war sehr positiv überrascht, wie sehr mir der Film doch gefallen hat. Mehr noch als das Buch… lag’s daran, weil ich wusste, was mich erwarten würde… ich fand’s zwar immer noch etwas sehr, sehr weit hergeholt, aber irgendwie erträglicher 😀

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  5. Ich wollte den Film auch gerne sehen, allerdings bin ich nicht ins Kino gegangen, weil ich erst das Buch lesen wollte. Das steht bei mir seit Weihnachten im Schrank und ich komme einfach nicht dazu, es zu lesen… Wird wohl noch ein bisschen warten müssen. Aber schön, dass es dir beides gefallen hat. 🙂 Irgendwann werde ich den Film dann wohl auch noch gucken. Und der Tipp mit den letzten Seiten ist gut, muss ich mir merken. Sofern ich das dann aushalte. 😀

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    1. Es lohnt sich auf jeden Fall beides zu kennen. Lass dir Zeit, aber lass es nicht sein. 🙂 Und es lässt sich schon aushalten die letzten Seiten nicht zu lesen … ich ja nur für die Länge des Films. 😉

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