Kurz ist das neue Lang 4/16 – 2 mal ‚irgendwie witzig, aber eigentlich tragisch

Einer dieser beiden Filme hat mich zum unverzüglichen schriftlichen festhalten der großen Gefühle inspiriert, ohne nochmal darüber zu schlafen, was ich normalerweise immer mache. Ich habe ihn sofort ins Herz geschlossen, und das weil er meinem Herzen einen kleinen Stich versetzt hat. … Und der Film den ich meine ist nicht Joy.

Frank (2014, Lenny Abrahamson)

Wegen meiner aktuellen Vorliebe für irische Männer, und weil ich die Gyllenhaal Familie verehre, musste ich dringend und ohne Umschweife Frank sehen, was ich so eben vor 2 Stunden auch getan habe. Und ich muss sagen, dass mich der Film unerwartet mitgenommen hat. Er nähert sich langsam und verzaubert erstmal mit seinem Humor, bevor er voll ins Herz sticht und auf ihm eine kleine unvergessliche Narbe hinterlässt. Ich habe selten einen Film gesehen, der so gut den aktuellen Zeitgeist und die Zerstörungswut der unaufhaltsamen und allgegenwärtigen sozialen Netzwerke einfängt. Wir benutzen sie gedankenlos, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne zu wissen wie groß ihre Macht ist. Ich bin so sehr beeindruckt von dieser fabelhaften Darstellung eines Themas, das mir sehr am Herzen liegt, wovon wir alle so ein bisschen träumen. Wir alle die etwas kreatives schaffen, sind so sehr bestrebt es unbedingt nach außen tragen zu müssen, und eigentlich sind die meisten von uns introvertierte und schüchterne Menschen, die nur privat für sich oder online ihren vollen Mut entfalten können. Für das nicht so nette große Leben da draußen sind wir eigentlich gar nicht geschaffen, wir mögen unsere selbsterschaffene kleine Welt in Wirklichkeit viel lieber. Und das lernen wir von Frank. Wir lernen, dass es gar nicht so verkehrt ist, die eigene Kunst für sich selbst und einen kleinen Kreis auserwählter Personen zu bewahren. Und nicht nur das. Dieser wunderbare Film spricht noch eine sehr wichtige Sache an: Man muss nicht tief in sich gehen, um nach Inspiration zu suchen. Talent hat man oder eben nicht. Ich liebe Frank. Es ist jetzt schon einer der besten Filme die ich 2016 sehen werde. Viel Größeres kann für mich kaum noch kommen. Umso mehr freue ich mich dass Lenny Abrahamson dieses Jahr mit Room in die Kinos kommt. Und Michael Fassbender, den ich eh schon ohne Ende verehre, hat Frank noch ein Stückchen göttlicher gemacht hat. (Also Frank Fassbender für mich, umgekehrt aber eigentlich auch)

… Ach und ich Fangirle endlich wieder und verliere keine Wort über meinen aktuellen Lieblingsiren. Was ist denn da los? Lasst mich noch Ex Machina sehen, dann erzähle ich euch mehr.

Joy (2015, David O. Russell)

Hm. Wie war Joy? Er war eben irgendwie tragisch, auf eine witzige Weise. Leider ist Joy stellenweise etwas zu albern, weiß die Waage zwischen witzig und ernst nicht so richtig zu halten. Mir fällt gar nich so viel ein was ich darüber schreiben könnte, außer dass ich Bradley Cooper zum ersten Mal in meinem Leben ganz furchtbar fand, und dass ich zwar weiß wie der Film gemeint ist, die Aussage aber nicht so ganz Ausdruck findet. Denn wenn ich einen Film mache, der die Geschichte einer gescheiterten Jungen Dame erzählt, die mit etwas Willenskraft doch noch das schafft was sie sich als Kind vorgenommen hat, dann definitiv nicht so. Es war ein Durcheinander, mit zu vielen Aufs und Abs, zu vielen Beteiligten und einer zu chaotischen Geschichte. Lieber David, beim nächsten Film einfach wieder einen Gang zurückschalten, dann wird das sicher wieder gut. Silver Linings mochte ich sehr viel lieber.

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9 Gedanken zu “Kurz ist das neue Lang 4/16 – 2 mal ‚irgendwie witzig, aber eigentlich tragisch

  1. Ahaha, ich liebe liebe liebe liebe liebe „Frank“, weil er bei mir auch ein unbestimmtes, vertrautes Gefühl auslöst. Irgendetwas was larger than life ist. Ich finde es nur schade, dass Frank am Ende sein Köpfchen abnimmt. Das war mir ein bisschen zu psychologisierend.

    Und du meinst wohl Franzis Lieblingsiren. Der gehört mir seit 2012. *lach* Wobei ich ja die Woche mit seinem Vater beschäftigt war. (Das klingt komisch.) Der hat auch so eine schöne Stimme. (Still weird.) Und im Moment sieht er aus wie der perfekte Opa. (Tiefpunkt.)

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    1. Ich fand das sooo tragisch ihn ohne Köpfchen zu sehen.

      Natürlich Franzis hübscher Lieblingsire. Ist doch Ehrensache. Ich fangirle nur ein bisschen aus weiter Ferne. 😉 Ihr müsst unbedingt Kinder miteinander bekommen. Das braucht die Welt. Und ich will Patin werden! ❤

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  2. FRANK war ganz toll. Ich kam aus dem Kino und habe selten einen Filmcharakter so gehasst wie Jon – und dabei ist er nicht mal ein klassischer Fiesling oder gar ein Antagonist! – Fand ich faszinierend und großartig. Und die Musik (die du gar nicht erwähnst 😉 ) ist auf ihre schrullige, ungefilterte Art ebenfalls ein ganz großes Erlebnis. Schade, dass der Film im Abspann seine Reinheit mit einem Radio-Edit selbst ein bisschen untergräbt.

    O’Russell hat mich schon mit seinen vorherigen Filmen nicht wirklich überzeugen können. SILVER LININGS war sicherlich unterhaltsam und im besten Sinne nett anzusehen. Aber so langsam würde ich mich mal wünschen, dass er mit anderen Leuten arbeitet. Zumindest für J-Law zahlt sich diese Zusammenarbeit aus, riecht ja stark nach dem dritten Oscar in Folge… Ach ja, den Film habe ich aus Desinteresse (trotz Lawrence!) gar nicht mehr gesehen.

    Dafür habe ich YOUR SISTER’S SISTER diese Woche nachgeholt und habe mich mit den Figuren super wohl gefühlt. Bekannte Muster mit ganz viel Charme und Gespür für emotionale und komische Situation umgesetzt. Danke für den Tipp!

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    1. Ja. Jon hat einfach alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Aber er hat es nicht böse gemeint. Und da sich die anderen am Ende wieder gefunden haben, konnte ich ihm ausnahmsweise verzeihen. 🙂 Die Musik (und noch viele andere Dinge) wäre durchaus erwähnenswert gewesen, aber dann wäre aus der Kurzreview (die eh schon fast zu lang ist) wieder eine lange geworden …

      Joy hat aber auch durchwegs eher mäßige Kritik bekommen. Vl. sieht O’Russell dadurch auch ein, dass er etwas ändern muss.

      Oh wie schöööön! Das freut mich sehr, dass mein Tipp gut angekommen ist. So soll es sein. 😀

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  3. FRANK ist auch einer meiner Lieblingsentdeckungen des letzten Jahres. „Frank’s most likeable song“ und „I love you all“ wurden noch am Abend der Kinosichtung heruntergeladen. Ich mochte dieses Schräge, Durchgeknallte, sehr. Es gibt wenig Filme von der Sorte, dass du fassunglos im Kino sitzt, nicht weißt, was als Nächstes passiert und einfach nur genießt. Klar gibt es einzelne Szenen von der Sorte (z.B. Colin Firths Kirchenkampfszene in KINGSMAN), aber selten ganze Filme.

    Zu JOY muss ich auch sagen, dass der Film dann doch enttäuschend war. AMERICAN HUSTLE war wirklich lustig und schauspielerisch stark. Aber ich hab sowieso den Eindruck, dass Russell in der Qualität seiner Filme sehr schwankt. SILVER LININGS PLAYBOOK hat mir auch nicht so gefallen.

    Hier meine Review zu FRANK: https://filmkompass.wordpress.com/2015/09/21/frank-omu-2014/
    Die Kritik zu JOY ist momentan in Arbeit.

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