I Am the Pretty Thing That Lives in the House (2016, Oz Perkins)

Horrorfilme sind in unserem Haushalt selten geworden, was mir vom Herzen leid tut, denn sie waren einst fester Bestandteil der cineastischen Leidenschaft. Dieses Abgrenzen hat ganz klar mit meiner Schwangerschaft angefangen. Es hieß, es wäre nicht gut für das in mir heranwachsende Wesen, wenn ich mich fürchte. Es war hart, aber auch kein großes Problem, es gab ja genug andere Filme. Mit der Zeit verweichlichte ich aufgrund der Abstinenz, aber auch wegen der neuen Gefühle und des veränderten Denkens das so ein Kind mit sich bringt. Ich traute mich irgendwann nicht mehr Filme aus meinem geliebten Genre zu genießen, sie machten mir Angst. In der Zwischenzeit lief schon das eine oder andere horrorige Lichtspiel über die Mattscheibe, aber von der Fülle von damals weit entfernt. Umso schöner sind Tage wie Halloween, an denen Horrorfilme zur Tradition gehören. Die Auswahl fiel auch nicht schwer, denn Netflix hatte einen ganz besonderen zu diesem Gruslfeiertag bereitgestellt, und sogar in Eigenproduktion. Ich weiß nicht genau ob ich den Film im klassischen Sinne gut gefunden habe, aber sagen wir mal, ich habe ihn genossen und habe ihn unheimlich gerne gesehen.

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Der eigentliche Inhalt ist einfach erzählt. Eine Pflegerin zieht in ein, von einem Geist bewohntes Haus um sich um eine alte, einsame Gruselgeschichten-Autorin zu kümmern.

Der Film ist wie ein Gedicht von Edgar Allan Poe.

Er ist sehr düster und sehr langsam.

Aber diese Langsamkeit macht ihn erst zu diesem Gedicht,
das er ist.

Die Geschichte die er erzählt wird leise und langsam
von der Pflegerin Lilly erzählt.
Sie erzählt von toten Seelen,
die das Haus in dem sie ermordet wurden
nie mehr verlassen.

Viel passiert nicht in diesem Film,
nur so viel wie nötig,
damit nicht nichts passiert.
Viel erzählt wird auch nicht,
nur so viel wie es braucht
um zu erahnen wohin die Geschichte uns führt.

Man schwebt mit, mit dem Geist von Polly
während man Lillys Geschichte zuhorcht.

Ganz langsam und schwerelos.

Und trotzdem ist man angespannt, weil man immer wieder in Szenen eintaucht wie:

… Sie kniet vor dem Fernseher,
der nichts ausser weißes Rauschen zu bieten hat,
hinter ihr eine offene Tür die in
die pechschwarze Dunkelheit führt.
Ewig lange Sequenzen in denen sie sich langsam der Tür hinter ihr zuwendet
und in die Dunkelheit starrt.

Wartet.

Nicht Atmet.

Weißes Rauschen und flackerndes Bild.
Stille Dunkelheit im Türrahmen.
Sie wendet sich wieder dem Bildschirm zu,
macht ihn aus.
Sie sieht ihr kaum zu erkennendes Spiegelbild im gewölbten Glas,
hinter ihr die gespiegelte Dunkelheit im Türrahmen. 

Gleich taucht Pollys Geist aus dem Nichts auf, vermutlich …

… Untermalen werden diese kunstvollen Szenen von einer schaurig schönen Geräuschkulisse, die immer leiser und wieder lauter wird – Als würde der Film atmen …

Ein Film zu liebhaben und genießen.
Bestimmt nicht für jeden was,
aber für ganz feinfühlige Genießer
ein Gedicht von einem Film.

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