‚Enemy‘ und die hohe Kunst der Interpretation

Apropos Enemy, da spielt Jake Gyllenhaal die Hauptrolle. Ich könnte euch dazu erzählen, wie sehr ich Jake Gyllenhaal mag (ich kann seinen Namen übrigens schon richtig schreiben), wie sehr ich ihn immer schon mochte und wie sehr es mich freut, dass er endlich die Rollen bekommt, die ihm gerecht werden, in denen er sein Können präsentieren kann. Als nächstes einen Oscar für den Herren bitte. Dieser starke Typ hat seit Donnie Darko (einer meiner Lieblingsfilme übrigens) einen besonderen Platz in meinem Fangirl Herzen. Seit dem bin ich sehr von ihm und seiner Art zu spielen überzeugt. Er hat nämlich diesen alles durchdringenden Blick … Ja das könnte ich euch erzählen, allerdings könnte ich mir gut vorstellen, dass euch mein Fangirling nicht sonderlich interessiert.

Lieber erzähle ich euch etwas darüber, wie es mich früher genervt hat, wenn ein Film sich nicht klar zum Ausdruck bringen konnte was er ist und was er erzählen möchte. Aber da war ich noch jung. Menschen ändern sich, werden erwachsen und sehen vieles mit ganz anderen Augen. Ich bin das perfekte Beispiel dafür, dass man sich ständig verbessern kann und will. Wenn ich heute das Glück habe auf so einen Film zu stoßen, geht mein Herz auf, denn dann tun sich für mich erstaunliche Welten auf. Dann ist es für mich nicht mehr nur ein Film, es ist Kunst in perfekter Synthese mit Philosophie, und das regt gleichzeitig die Phantasie und den Denkapparat an. Er fühlt sich menschlicher an, ist poetischer und geht viel mehr unter die Haut, und das nur weil er nicht deutlich zu verstehen gibt was er uns eigentlich sagen möchte, sondern Platz schafft für eigene Interpretation. Es ist eine ganz andere Art Filme zu erleben. Die Sache ist nämlich die, man braucht Stimmung um eine Geschichte zu erzählen die ihre Absicht nicht offenbart, und mit Stimmung hat man bei mir schon halb gewonnen.

Mamas Brief

Was habe ich mir von Enemy erwartet?

Auf jeden Fall nicht das was ich bekommen habe. Ich wußte allerdings auch nicht sehr viel über den Inhalt, außer dass es eine Doppelgänger Geschichte ist. Dass es ein Film ist der abrupt aufhört, und mich zwingt darüber nachzudenken was ich da eben gesehen habe, das hat mich kalt erwischt, überrascht, entzückt und am Ende begeistert.

Das Ergebnis der Sichtung

Von Anfang an mochte ich die Farben und dieses schwermütige Toronto, mit seiner monotonen, ruhigen und beängstigenden Atmosphäre. Damit hatte mich Denis Villeneuve sofort auf seiner Seite. Ich war voll da, hab gefühlt. Der Film trieft nur so vor kunstvollen Schnitten, wunderbar besonderen Bildern und Schauspielern. Von Jake Gyllenhaal abgesehen, war ich auch noch von den beiden Damen schwer begeistert. Mehr noch als Mélanie Laurent, die ich sehr liebe, hat mich die entzückende und mir bis dato völlig unbekannte Sarah Gadon in ihren Bann gezogen. Sie hat eben auch diesen Blick. Enemy gehört definitiv zu den besten Filmen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Daran nicht ganz unschuldig ist das Ende, das mich vor den Kopf gestoßen, mich zum nachdenken gebracht hat, und schlussendlich zu einer Diskussion mit meinem Mann geführt hat. Ich habe mir im Anschluss im Interview angehört was Jake Gyllenhaal zur Handlung zu sagen hat, und habe mir im Internet die Interpretation von Denis Villeneuve höchstpersönlich ergoogelt. Trotz allen Unklarheiten die sich möglicherweise ergeben, und dem großzügigen Platz für persönliche Ansichten und Auslegungen, ist die Geschichte eindeutig in ihrer Aussagekraft.

Erst Prisoners jetzt Enemy. Ich bin gespannt womit mich die Herren Villeneuve und Gyllenhaal als nächstes überraschen werden.

 

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14 Gedanken zu “‚Enemy‘ und die hohe Kunst der Interpretation

  1. Klingt toll und nach dem famosen „Pisoners“ steht „Enemy“ ohnehin auf meiner Liste. Tatsächlich erwarte ich mir irgendetwas zwischen „Donnie Darko“ und „David Lynch“ – was du schreibst klingt fast so, als sollte ich Recht behalten… 😉

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  2. Da erging es mir mit dem Film ähnlich. Ich war auch etwas geschockt wie der Film dann endete. Da gab es doch noch eine ganze Menge Dinge, von denen ich dachte, dass sie noch eine größere Rolle spielen würde oder dass man sie erklären würde (der Club beispielsweise). Und dann kam dazu nichts. Ich hatte keine Ahnung wie ich das finde und war ziemlich hin- und hergerissen. Das Ende mochte ich anfangs gar nicht und hatte 10-20 unsortierte Gedanken wie ich das nun interpretieren soll. Habe mir dann auch die Interviews angesehen (klang ja so, als ob Gyllenhaal und Villeneuve es manchmal schwer miteinander hätten XD) und auch rumgegoogelt, weil ich es nichts akzeptieren konnte, dass ich nur mit meinen Gedanken und dem Ende allein bin. Und naja … klingt plausibel was die verschiedenen Leuten so zur Deutung zu sagen haben.

    Ich fand die Stelle mit der Mutter zu genial, bei der man nicht mit Sicherheit weiß, wer da jetzt gerade sitzt.
    Guckt man mal nicht so aus Spaß oder Langeweile, aber ist auf jeden Fall ein interessanter Film mit reichlich Stoff zum nachdenken. Das sind die guten Filme!

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    1. Gut der Club erklärte sich in dieser einen Szene von selbst, fand ich. Ein spezieller Fetisch-Club. Da gibt’s bestimmt in jede Richtung was. Ich bin nach solchen Filmen auch immer daran interessiert was der Regisseur und die Schauspieler denken. Ob es nur die eine Interpretation gibt, oder ob man es in mehrere Richtungen denken kann. Auf jeden Fall wertvoller als „normale“ Filme. Ich mag das auch wenn mein Denkvermögen beansprucht wird.

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    1. Hm. Ich weiß nicht. Wäre schon möglich. Ich würde es nicht ausschließen. Man kann sich auch gerne davor über die Interpretation informieren, das wäre in dem Fall nicht gespoilert. Ich hätte ihn am liebsten gleich nochmal angeschaut, als ich wusste was das Ganze soll.

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  3. Ein aberwitziges Ende, das mich damals im Kino kalt erwischte. Gerade mit seinen entsättigten Farben der monotonen, kalten Stadt, deren Trott man ja auch als Zuschauer ganz schnell entkommen möchte, konnte ich mich schwer entziehen – und der Film konnte super nachwirken.

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  4. Ein großartiger Film, den ich damals allein vier, fünf Mal im Kino gesehen habe. Toll gemachtes Kunstwerk, das einen verstört und fasziniert zurücklässt und über das man wunderbar stundenlang diskutieren kann 😉

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    1. Gleich vier, fünf Mal, wow! Ist alles so wie du sagst. Er begeistert, weil er mit nichts vergleichbar ist und einfach alle Sinne anregt. Ich wünsche mir mehr solche Filme.

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  5. Ich fand den auch richtig cool und hab auch eine ausführliche Interpretation dazu verfasst. Wie du mag ich es auch sehr, wenn Filme zu so etwas anregen. Allerdings habe ich zum angesprochenen Mulholland Drive beispielsweise keinen Zugang gefunden. Das war dann für mein einfaches Gemüt dann doch zu viel des Guten 😉
    Dein Artikel ist ja mittlerweile schon ein paar Tage älter. Aber Villeneuve scheint dieser Tage (spätestens seit Arrival) angesagter zu sein denn je. Ich bin schon auf den Blade Runner gespannt. Trotzdem ist „Enemy“ für mich der bisher stärkste Villeneuve-Film.

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