Blogparade: Gegen den Strom – 10 unbekannte oder unbeliebte Lieblingsfilme

Eine schier wunderschöne Blogparade. Es fiel mir nicht im Geringsten schwer Filme zu finden, die zu meinem Lieblingfilmen gehören, die aber eher unbekannt sind. Ich mochte die Aussenseiter immer schon lieber. Was mir allerdings schwer fiel, ist diese Liste auf nur 10 zu kürzen. Schlussendlich sind es 11 geworden, aber who cares? Ob diese Filme unbeliebt sind, kann ich eigentlich gar nicht sagen, dazu müssten ichmehr Menschen kennen, die sie kennen. Und um Guilty Pleasures geht es aktuell eigentlich nicht, das hatten wie schon mal an anderer Stelle. (Meine Lieblingsfilme Liste gibt es hier)

Die Idee zur Parade hatte keine geringere als die Königin der Blogparaden. Danke dafür. Ausserdem wollte die Lehrerin von uns wissen, warum wir gerade diese Filme lieben. Ich werde meine schon geschriebenen Texte kurz zitieren, für das volle Ausmaß der Lobhuldigung einfach den Filmtitel anklicken. Die Reihenfolge ist alphabetisch. (Hach … ich liebe diese Parade. Ich liebe es meine liebsten Filmschätze anzupreisen. Das wird einfach nie langweilig.)

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Another Earth (Mike Cahill – 2011)

Ein Traum von einem Film. Eines dieser perfekten Gesamtkunstwerke, bei denen man die Mühe und das Herzblut spüren kann. Perfekt, perfekt, PERFEKT in jeder Hinsicht.

Blue Valentine (Derek Cianfrance – 2010)

Ich wusste, der Film erzählt eine tragischen Liebesgeschichte, aber ich habe nicht erwartet ihr so nah zu sein, sie so sehr zu fühlen. Dieser kaum zu ertragende und ständige Wechsel, dieses schmerzhafte Hin und Her zwischen dem Entstehen und dem Scheitern einer Beziehung, um am Ende beim absoluten Höhepunkt und gleichzeitig beim Tiefpunkt, inklusive musikalischem Feuerwerk, anzukommen. Bam. Herzrasen, Tränen der Freude und der Trauer geben sich das Rennen. Man weiß nicht wohin mit den Gefühlen und ist schlussendlich einfach nur überwältigt. Eine Meisterleistung, die für mich ab sofort Derek Cianfrance zu einer Marke macht.

Dancer in the Dark (Lars von Trier – 2000)

Ich weiß nicht ob ich diesen Film jemals wieder ansehen können werde. Es hat mich jedenfalls noch nie ein Film so schwer getroffen wie dieser. Respekt an Lars von Tier für das Erschaffen dieser Intensität, auch wenn sie unglaublich weh tut. Ein wirklich krass guter Film, einer der besten der Welt.

Enemy (Denis Villeneuve – 2013)

Enemy gehört definitiv zu den besten Filmen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Daran nicht ganz unschuldig ist das Ende, das mich vor den Kopf gestoßen, mich zum nachdenken gebracht hat, und schlussendlich zu einer Diskussion mit meinem Mann geführt hat. Ich habe mir im Anschluss im Interview angehört was Jake Gyllenhaal zur Handlung zu sagen hat, und habe mir im Internet die Interpretation von Denis Villeneuve höchstpersönlich ergoogelt. Trotz allen Unklarheiten die sich möglicherweise ergeben, und dem großzügigen Platz für persönliche Ansichten und Auslegungen, ist die Geschichte eindeutig in ihrer Aussagekraft.

Frank (Lenny Abrahamson – 2014)

Er nähert sich langsam und verzaubert erstmal mit seinem Humor, bevor er voll ins Herz sticht und auf ihm eine kleine unvergessliche Narbe hinterlässt. Ich habe selten einen Film gesehen, der so gut den aktuellen Zeitgeist und die Zerstörungswut der unaufhaltsamen und allgegenwärtigen sozialen Netzwerke einfängt.

Hesher (Spencer Susser – 2010)

Ich habe noch nie so wunderbare Ratschläge und Weisheiten, verpackt in so abgefuckte Geschichten gehört. Einfach nur großartig. Beispiel gefällig?

„I pulled this gas tank from an old Chevy. I wanted to blow it up, so I did. What I didn’t think about was all the little bits of metal that were going to fly out in every direction. I almost killed myself. I woke up in this hospital and this doctor was like, „Son…“ and I said „Don’t call me son, you fucking cunt.“ And he was like, „You blew off your nut.“ I just lost my nut, like that. I went fucking crazy. I assaulted a nurse or a doctor, I don’t really remember. I got arrested. I went to juvee. All I could think about was my fucking nut, man. I’m missing a nut. What am I going to do? I had to go looking for it, right? So I busted out of juvee and I went searching. I couldn’t find my nut. Well, there was this one night I was sitting there and I was taking a shit and I was looking at my balls and I was staring at this little piece of flabby sack where my left nut used to be. And then I saw my right nut for the first time. I was like FUCK MAN, MY NUT! Look I have one, I still have a nut. Right? It’s a good nut, it works. God or the fucking devil or whoever the fuck it is you know he left me with one good nut. I still have a fucking nut and it works. And my fucking dick works too. Okay, you lost your wife. And you lost your mom. I lost my nut.“

I Origins (Mike Cahill – 2014)

Der größte und älteste Kampf, den die Menschheit nie aufgehört hat zu führen, ist der zwischen Wissenschaft und Religion, besser gesagt Spiritualität. I Origins behandelt eben dieses uralte Thema auf seine eigene Art. Diese Szene erklärt diesen Kampf ziemlich gut …

Sofi: How many senses do worms have?
Ian: They have two. Smell and touch. Why?
Sofi: So… they live without any ability to see or even know about light, right? The notion of light to them is unimaginable.
Ian: Yeah.
Sofi: But we humans… we know that light exists. All around them… right on top of them… they cannot sense it. But with a little mutation, they do. Right?
Ian: Correct.
Sofi: So… Doctor Eye… perhaps some humans, rare humans… have mutated to have another sense. A spirit sense. And can perceive a world that is right on top of us… everywhere. Just like the light on these worms.

Mr. Nobody (Jaco Van Dormael – 2009)

Ich bin Fan von: „Entscheidungen die man so im leben trifft, und welche Konsequenzen sie haben können. Die Hauptaussage des Films: „You have to make the right choice. As long as you don’t choose, everything remains possible.“ wird durchwegs unmissverständlich dargestellt. Dieser Film hat mich von Hocker weg begeistert. Einfach nur über alle Maßen begeistert!

Stoker (Chan-wook Park – 2013)

Am Anfang des Films erzählt uns India: „Just as a flower does not choose its color, we are not responsible for what we have come to be. Only once you realize this you become free, and to become adult is to become free.“ Je weiter der Film fortschreitet um so klarer wird, was sie damit meint. Am Ende dieses kleinen Kunstwerks stehen wir wieder am Anfang und lassen uns diese Worte noch einmal auf der Zunge zergehen. Mit Mühe und Sorgfalt gewählter Anfang … und Ende.

… Und auch der Rest des Films ist einfach nur großartig, in jeder Hinsicht. Fantastische Bilder, perfekt inszenierter Soundtrack und sehr wirkungsvolle Schnitttechniken. Und das alles kombiniert mit einer nicht zu 100% neuen, aber definitiv einzigartig erzählten Geschichte.

The Future (Miranda July – 2011)

Story: SIE braucht Veränderung, sucht sich was neues, verlässt IHN, bereut es. ER hat nicht damit gerechnet, will es nicht wahrhaben. Kennt man zu Genüge, aber nicht auf die art. Miranda July schafft es diese abgedroschene Geschichte so wunderbar neu zu interpretieren und darzustellen, dass man sie kaum wiederkennt. So viel eindrucksvolle Symbolik, soviel Feingefühl für Metaphern und soviel Liebe zur Kunst. Der Film ist der Wahnsinn. Ich liebe, bewundere und beneide sie für diese Idee diese Geschichte eben so zu erzählen wie sie es tut.

The Place Beyond the Pines (Derek Cianfrance – 2012)

Die Idee dahinter ist grandios. Der Film wechselt 2 Mal sein Szenario und den Hauptdarsteller. Ich mochte das, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass ich überrascht war über die plötzliche Wendung und die Sicht der Dinge. Die 2. Wendung war dann weniger überraschend, aber ich freute mich auch  darüber. 3 Filme in einem sozusagen. Genau so mag ich das.

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43 Gedanken zu “Blogparade: Gegen den Strom – 10 unbekannte oder unbeliebte Lieblingsfilme

  1. So unbekann oder unbeliebt ist doch deine Auswahl gar nicht. Toll auf jeden Fall allein schon wegen „Frank“ und „Stoker“. Und „Dancer In The Dark“. „Enemy“ und „The Place Beyond The Pines“ bereiteten mir Schwierigkeiten, mal schauen, wie es nach einem erneuten Schauen aussieht. Die Musik von letzterem ist natürlich gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz toll.

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    1. Für dich vielleicht. Andere Kommentatoren sehen das bisschen anders. Aber du bist ja auch besonders Film-gebildet (meinen allergrößten Respekt dafür übrigens <3). Wahrscheinlich kenne ich nichtmal 10 Filme die du nicht kennst. 🙂 „The Place Beyond The Pines“ ist aber eher unbeliebt als unbekannt (und das trotz der Musik) was ich so mitbekommen habe, und wenn dann mag man nur das erste Drittel.

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  2. Da sind doch immerhin zwei Filme dabei, von denen ich noch nicht mal gehört hatte („Mr. Nobody“ und „The Future“), die aber recht interessant klingen, v.a., wenn man deine euphorischen Beiträge dazu liest! 😉

    Über drei Filme freue ich mich besonders, weil sie mir meines Erachtens wirklich weitgehend unbekannt scheinen, ich sie aber gesehen habe: „Another Earth“ (hatte ich damals in der Sneak Preview gesehen und für gut befunden), „Frank“ (auf DVD gesehen -> schräger Film -> an meinen Bruder (Musiker) weiter geschenkt) und „Hesher“ (auf dem Fantasy Filmfest gesehen – seitdem noch mehr davon überzeugt, dass Joseph Gordon-Levitt ALLES spielen kann!

    „Dancer in the Dark“ gehört zu den Filmen, die ich kein zweites Mal ansehen möchte, obwohl er ganz großartig ist!

    Danke für diese tolle Liste! 🙂

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    1. Die beiden sind aber auch sehr speziell muss ich sagen, kann man auch nicht mögen. 😉
      Du kennst Hesher? Toll. Denn kennt bisher wirklich keiner. Und ich verstehe einfach nicht warum. Ja der kann wirklich ALLES spielen … sollte er auch!
      „Dancer in the Dark“ schaffe ich auch keine 2tes mal!
      Bitte, war mir eine große Freude!

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      1. Ja, DANCER IN THE DARK ist bitter. Wie kann man der tollsten aller Musikerinnen denn soooo übel mitspielen?! Von Trier, die alte Mischpoke. Ich tease an dieser Stelle mal an, dass es in meine Auswahl auch ein von Trier geschafft hat 😉

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      2. Hätte Björk nicht mitgemacht (und sie musste ihn sogar einige Male abweisen), hätte von Trier den Film gar nicht gemacht. ES musste also unbedingt sie sein, der er übel mitspielen wollte. 😉 Bin mal gespannt für welchen von Trier du dich entscheidest.

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  3. Mal wirklich was anderes. Abwechslungsreiche Liste. „Another Earth“ und „Stoker“ liebe ich auch “ Hesher“ fand ich schräg, ein paar der anderen wie „Enemy“ fand ich schrecklich so und ein paar Filme liegen hier und ich komme einfach nicht dazu sie zu sehen („Frank“, „Blue Valentine „, „I Origins “ und „The Place Beyond the Pines“).

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  4. Eine schöne Mischung! Ich kenne davon tatsächlich nur wenige Filme. „Mr. Nobody“ hätte ich auch erwähnen können, den ich auch großartig fand. Hmm, da steht eh mal wieder eine Sichtung an. Werde mir den Rest auch einmal vormerken. Danke für die Tipps! 🙂

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  5. Von deiner Liste kenne ich tatsächlich auch ein paar Filme 🙂 Blue Valentine sollte ich vielleicht noch mal sehen (da sind wir wieder bei 2.Chancen) – er war nicht schlecht, aber so richtig begeistern konnte er mich irgendwie nicht. So gings mir auch bei Stoker und Place beyond the Pines. Beim letzteren fand ich auch v.a. den ersten Teil sehr gut.

    Enemy, ein ganz besonderer Film, der einen wirklich zum Denken anregt. Den würde ich nochmal schauen, vielleicht um ihn ein bisschen mehr zu verstehen, obwohl ich mir nach dem Schauen eigentlich eine Theorie zurecht gelegt hatte, die ich ganz sinnvoll fand 😀

    Schöne Liste auf jeden Fall, ich muss mich auch mal an meine setzen, aber ich glaube, soooo unbekannte kommen da nicht zusammen 😀

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    1. Sehr gut!! Für Blue Valentine muss man wahrscheinlich auch in der Stimmung sein. Es ist ein sehr schwerer Film. Bei Stoker ist es ähnlich. Man muss sich hineinleben um ihn zu lieben.
      Das finde ich das schöne an Enemy … da kann man nicht mehr verstehen. Der lebt davon, dass ma sich seine eigene Theorie zurecht legt. Nochmal gucken kann man aber trotzdem (alleine schon wegen Doppel-Jake :D).
      Deine Liste ist auch toll … ich komm dann nachher mal zum kommentieren vorbei. 🙂

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  6. Bei „Hesher“ und „Stoker“ bin ich sofort dabei. Beides großartige Filme.
    „Dancer in the Dark“ habe ich vor so langer Zeit gesehen. Eigentlich müsste ich mir den mal wieder antun. Aber will ich mir das wirklich nochmal antun? Ist halt ein ziemlicher Brocken von einem Film mit einer fantastischen Björk…

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  7. „Hesher“ fand ich auch ziemlich gut. Echt eine abgefuckte, aber doch so ehrliche und kluge Geschichte. „The Place beyond the Pines“ fand ich zu 2/3 großartig, nur der letzte Part mit den Jungs war mir zu viel. Bei „Blue Valentine“ bin ich hin- und hergerissen. Einerseits war er schon ziemlich toll, aber auf der anderen Seite empfinde ich tiefe Verachtung für Michelle Williams‘ Rolle. Und „The Future“ ging mir so auf die Nerven, dass ich ihn nicht mal zu ende gesehen habe. 😉

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